New Babylon, Virginia 1862

560 Seiten. Gebunden. ISBN 9783827008701
Karikatur auf Generalleutnant Winfield Scotts Strategie, die exportabhängigen Konföderierten mithilfe einer Seeblokade zu bezwingen.

Der jüdische Agent Jacob Rappaport verliebt sich in die Doppelagentin und Südstaatenschönheit Eugenia Levy, die er im Auftrag der Yankees observieren soll. Doch Jacobs doppeltes Spiel wird aufgedeckt und er muss fliehen – es beginnt eine Odyssee zwischen den Linien der Yankees und der Konföderation und zugleich eine Suche nach dem Glück sowie seiner großen Liebe Eugenia.

 

Eingebettet in die Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges erzählt Dara Horn die bewegende Geschichte Jacobs, der erst in den Wirren des Krieges lernt, für sich selbst zu sprechen. Einige Jahre hat Dara Horn für diesen Roman recherchiert, etliche Szenen haben bisher unbekannte historische Ereignisse zur Vorlage und viele Gestalten aus der Geschichte des Bürgerkrieges werden wieder zum Leben erweckt. Entstanden ist ein Buch mit einer solchen Farbigkeit, wie sie weltberühmte Romane über diesen großen historischen Stoff nicht hervorbrachten.

 


Historische Quellen

New York Tribune von 1859

Viele Szenen in Dara Horns neuem Roman beruhen auf historischen Ereignissen, die durch fundierte Quellen belegt werden können. So inspirierte zum Beispiel ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1859 Dara Horn zu der auf den Seiten 146 – 150 beschriebenen Sklavenauktion.

 

Bei dem Artikel handelte es sich um die Reportage eines verdeckt arbeitenden Korrespondenten, der bei der Versteigerung der Sklaven von Pierce Butler zugegen war. Insbesondere das Gespräch zwischen Dorrie und Dabney übernahm Dara Horn nahezu wörtlich aus diesem Artikel. (im PDF auf den Seiten 20f.: DIE LIEBESGESCHICHTE ZWISCHEN JEFFREY UND DORCAS)

 

Siehe zum Vergleich folgende Textstellen:

The New York Herald vom März 1859:

"I loves Doreas, young mas'r; I loves her well an' true; she says she loves me, and I know she does; de good Lord knows I loves her better than I loves any on in de wide world—never can love another woman half so well. Please buy Dorcas, mas'r. We're be good sarvants to you long as we live. We're be married right soon, young mas'r, and de chillun will be healthy and strong, mas'r and dey'll be good sarvants, too. Please buy Dorcas, young mas'r. We loves each other a heap—do, really, true, mas'r."

 


Dara Horn, Vor allen Nächten, S. 148:

»Junger Herr, ich – ich liebe Dorrie, junger Herr.« Er deutete auf eine der nackten Frauen, die in der Reihe hinter ihm stand. Die betreffende Frau war groß, fast so groß wie Jacob und Dabney, und etwa im selben Alter. Sie senkte den Kopf. Von den drei Frauen auf dem Podest war sie mit Abstand die jüngste und auch die hübscheste; um ihre Zähne zu prüfen, hatten die Kunden vorher Schlange gestanden. »Ich liebe sie, jawohl. Der liebe Gott weiß, dass ich sie mehr liebe als sonst wen auf der ganzen Welt«, fuhr Dabney mit zitternder Stimme fort. »Bitte kaufen Sie Dorrie, junger Herr. Wir heiraten bald, und unsere Kinder werden bestimmt gesund und kräftig sein, bitte, junger Herr, Dorrie ist eine gute Frau. Dorrie, komm her und zeig, wie stark du bist.«

Leseprobe aus Vor allen Nächten


 

Großartig sind auch die historischen Gestalten, die Dara Horn in ihrem Roman auferstehen lässt, insbesondere Judah P. Benjamin. Oder auch Eugenia Levy Philips, eine Jüdin aus den Südstaaten, die von der Unionsarmee mehrfach wegen Spionage inhaftiert wurde und Dara Horn als Vorlage für die fast gleichnamige und sehr verwegene Romanfigur Eugenia Levy diente.

 

Judah P. Benjamin

war das erste jüdische Kabinettsmitglied der amerikanischen Geschichte. Während des Bürgerkrieges diente er der Regierung der Konföderierten Staaten von Amerika zuletzt als Außenminister. Er galt als einer der begnadetsten Redner Amerikas überhaupt und als ein geschickter Staatsmann. Benjamin war der engste Berater und Vertraute des konföderierten Präsidenten Jefferson Davis und leitete nebenher ein ursprünglich in Kanada aufgebautes Spionagenetz. Gegen Ende des Bürgerkrieges war er Verfechter der Freilassung der Sklaven in den Südstaaten.

Eugenia Levy Philips

Eugenia Levy Philips in ihren späteren Jahren

Jüdin aus den Südstaaten und neunfache Mutter, die zweimal von der Unionsarmee in Haft gemommen wurde: zunächst wegen Spionage, zusammen mit zwei ihrer Töchter und der konföderierten Rose Greenhow (deren Vater von einem seiner Sklaven ermordet worden war), und später wegen unbotmäßigen Verhaltens gegenüber der Besatzungsarmee der Union in New Orleans; diese Vergehen trug ihr drei Monate in dem berüchtigten Gefängnis auf Ship's Island im Golf von Mexiko ein. (Aus dem Nachwort von Dara Horn)

 

 

 


Chiffrierscheibe nach Leon Battista Alberti

Spionage und Geheimcodes

Als Jacob Rappaport den ehemaligen Geschäftspartner seines Vaters, Philip Levy, im Gefängnis besucht, drückt ihm dieser einen kleinen Stoffetzen mit folgendem Inhalt in die Hand:

HEIM HÜGELKUPPE MILO BEWEGT FÜR VENUS MORGEN LIZA

HERRLICHKEIT LIEBE RECHTS FRÜH ASHTON MARS ACHT

RICHTUNG WAHRHEIT.

Welche Bedeutung verbirgt sich hinter diesem Text?

Für die Interpretation des Codes ist das erste Wort, HEIM, entscheidend: Es steht für vier Spalten mit je vier Wörtern,die in den Spalten 1 und 3 von unten nach oben, in den Spalten 2 und 4 von oben nach unten gruppiert werden:

1

2

3

4

FÜR

VENUS

ASHTON

MARS

BEWEGT

MORGEN

FRÜH

ACHT

MILO

LIZA

RECHTS

RICHTUNG

HÜGELKUPPE

HERRLICHKEIT

LIEBE

WAHRHEIT

In einem zweiten Schritt werden nun die Schlüsselwörter ausgetauscht: Venus = Codewort für Colonel; Mars = General Longstreet; Milo = Tausend; Liza = Truppen; Rechts = Nach Osten, so dass sich folgender sinnvoller Text lesen lässt:

FÜR COLONEL ASHTON. LONGSTREET BEWEGT MORGEN FRÜH ACHTTAUSEND TRUPPEN NACH OSTEN RICHTUNG HÜGELKUPPE HERRLICHKEIT LIEBE WAHRHEIT.

(Die letzten drei Wörter sind reine Platzhalter.)

 


Die Konföderierten hatten große Schwierigkeiten, diese Codes zu entziffern und gingen dazu über, die rätselhaften Nachrichten in Zeitungen zu veröffentlichen. Es fand sich jedoch nie ein Leser, der den Code-Knackern weiterhelfen konnte.

Weiterführende Literatur zu klassischen und modernen Verschlüsselungsmethoden:

Michael Miller: Symmetrische Verschlüsselungsverfahren

Zum Thema Spionage benutzte Dara Horn vor allem folgende Quellen:

William R. Plum,  The Military Telegraph During the Civil War in the  United States (1882),

David Kahn, The Codebreakers: The Story of Secret Writing (1967)

 

 


Pessach

Mit Witz und Raffinesse lässt Dara Horn eine jüdische Parallelwelt der amerikanischen Gesellschaft entstehen - und entwirft geradezu grotesk pointierte Szenen, wenn zum Beispiel während des Pessachfestes, dem jüdischen Fest der Befreiuung aus der Sklaverei, auf die Freiheit angestoßen wird und sämtliche Gänge des Mahls von schwarzen Sklaven aufgetragen werden.

 

Pessach - gehört zu den Hochfesten im jüdischen Kalender. Das siebentägige Fest erinnert an die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei. Das Pessach wird in der Woche vom 15. bis 22. Nisan als Familienfest mit verschiedenen Riten gefeiert, darunter dem Seder und dem einwöchigen Verzehr von Matzen. Deshalb heißt es auch »Fest der ungesäuerten Brote«.

 

»Warum unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächten?« fragt in der Sedernacht, dem ersten Abend der Pessach-Woche, das jüngste Kind der Familie. Daraufhin antwortet der Vater mit der alten Erzählung der Errettung der Israeliten aus der Knechtschaft in Ägypten. Ganz ursprünglich war Pessach ein Erntefest: Es fällt in die Zeit der ersten Gerstenernte im Frühling - in Palästina so wichtig wie unserer Roggenernte.

 


Erstaunliche Authentizität

»Die Besonderheit von Vor allen Nächten ist die erstaunliche Authentizität. ... Dara Horn hat sich durch Unmengen Papier gewühlt und ihr Ensemble an realen Vorbildern angelehnt. ... Dass solch schillernde Figuren einen wesentlichen Teil der Romanbelegschaft ausmachen, verleiht ihm viel Bewegung und Charme. Auch ist der Autorin hoch anzurechnen, wie sie die Kommbination von politischen Ränkespielen, dramatischen Kriegsbeschreibungen und Jacobs persönlicher Geschichte meistert. Das Ergebnis ist ein mitreißender, anrührender und informativer Roman über den amerikanischen Bürgerkrieg - aber auch über den richtigen Zeitpunkt, nein zu sagen.« mehr ...

Szenen wie bunte, impressionistische Gemälde

»Die präzise Sprache der Autorin, die subtil, ohne Pathos und mit viel Ironie die Szenen wie bunte, impressionistische Gemälde arrangiert und auch dort mit wenigen Strichen eine Plastizität und Glaubwürdigkeit zu suggerieren vermag, wo der Eindruck von Kolportage am ehesten aufkommen könnte. Das macht die Handlung spannend.«

Verliebte Spione

»Man meint fast, ihre ausladenden Röcke rascheln zu hören, sieht im Geiste ihre lockigen Haare, die sich nur schwer bändigen lassen, die eng geschnürte Taille, die rosigen Wangen ... Dara Horn erzählt in Vor allen Nächten hinreißend und mit großer Leichtigkeit von diesem schweren historischen Stoff, den politischen Verestrickungen und den ergreifenden menschlichen Schicksalen.«

Beeindruckend

»Die 32-jährige Autorin beherrscht das erzählerische Handwerk in beeindruckender Weise, wie sie nach ihren beiden vielfach preisgekrönten Vorgängerromanen erneut unter Beweis stellt.« Mehr ...

Mit einem Hauch »Vom Winde verweht«

»Es gibt Intrigen, Giftmorde und Spione, verlockende Frauen und gefährliche Widersacher. ... Spannend und gefühlvoll. Mit einem Hauch Vom Winde verweht und einer Spur Unterwegs nach Cold Mountain

Jacob zaudert wie Hamlet

»Selbst wenn man es wollte, der Inhalt dieses humorvollen, wunderbar vielschichtigen Romans ist kaum auf den Punkt zu bringen. ... Ein aufregender Roman, den zu entdecken sich lohnt.«

Spannend und informativ

»Ein großer Stoff über einen zaudernden Helden. Spannend und informativ. ... Die Autorin mischt fabulierend Fakten und Fiktion. ... Moderne Literatur, die hilft, Gräben zwischen den Kulturen zu überwinden.«

Herzzerreißend

»Der Roman erzählt mit einer - trotz allen Kriegsgemetzels - heiteren Souveränität von den bitteren Umwegen, auf denen ein Feigling zum Mann wird. Horn hat einen aus dem Studium der alten hebräischen Literatur gewonnenen, ganz eigenen Stil. Für den Leser, der sich darauf einlässt, ist es ein herzzerreißender und herzerwärmender Genuss.«

Fesselnd, humorvoll, bewegend

»Horn erzählt eine hinreißende Geschichte, gespickt mit Märchenelementen und historischen Anekdoten, von Krieg und Liebe, Spionen und Lügnern, von bösen und guten Menschen, von Wahrheit und von Gefühlen … Vor allen Nächten ist auch ein Schelmenroman und die fiktive Biografie eines jüdischen Einwanderersohnes, der symbolisch steht für viele weitere Menschen, die im 19. und vor allem im 20. Jahrhundert in Amerika Rettung vor dem Unheil und Erlösung vor der Angst suchten.«

 

 


Biographie

© Michael Priest

Dara Horn, 1977 in New Jersey, USA geboren, hat Jiddische Literatur und Israelische Geschichte am Sarah Lawrence College und in Harvard gelehrt. 2006 promovierte sie in Vergleichenden Literaturwissenschaften. Im Alter von 25 Jahren veröffentlichte sie ihren ersten Roman Ausgelöscht sei der Tag, der mehrfach ausgezeichnet wurde. Auch Horns zweiter Roman Die kommende Welt (BV 2006) erhielt mehrere Auszeichnungen - »Eines der besten Bücher 2006« meinte der San Francisco Chronicle. 2007 wurde Dara Horn in die Liste der »Best Young American Novelists« des Granta Magazine aufgenommen. Dara Horn lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter und zwei Söhnen in New Jersey.

 

 


 

Stay In Touch

Dara Horn beantwortet auf ihrer Facebook-Fanseite regelmäßig die Fragen ihrer Leser – und bedankt sich für deren Lob:

Rebecca Heller, 06. Juni um 06:06: Ich habe Vor allen Nächten in drei Tagen gelesen und konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Allan M. Lazarus, 01. Juni um 20:01: Ich liebe Ihre Bücher. Gerade habe ich Vor allen Nächten gelesen und hoffe, dass der vierte Roman schon in Arbeit ist.

Lynn Lampert, 21. Mai um 09:10: Ms. Horn, Ihr historischer Roman ist einfach wunderbar. Ich bin fast traurig, dass ich ihn so schnell gelesen habe, aber ich konnte das Buch nicht mehr zur Seite legen (ich werde es sicherlich noch mal lesen.)

Mark D. Luther, 17. Mai um 22:57: Ms. Horn, Ich liebe Vor allen Nächten. Was für ein tolles Buch. Über einen zweiten Teil würde ich mich riesig freuen.

Lisa L. Cole-Haigler, 14. Mai um 06:38: Es macht mich glücklich, wenn es ein Buch schafft, dass ich mich mit den Personen identifiziere. Und das ist Ihrem Buch eindeutig gelungen.

 

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